Aktuell Woche 50

Wallisär Gschichtä.

«Ich hätte einem Rentier niemals den Namen Rudolph gegeben»

Die ersten Schneeflocken dieses Winters sind gefallen, die Weihnachtszeit hat begonnen. In Schaufenstern, Hauseingängen und Gärten sind Weihnachtsmänner und Rentiere allgegenwärtig - auch im Walliser Bergdörfchen Herbriggen. Hier leben sechs der schweizweit nur etwa fünfzig Rentiere. Zu verdanken ist das Reto Summermatter.

Herbriggen, das kleine Dorf auf dem Weg nach Zermatt, dort wo der Zug nur «auf Verlagen» hält, ist das Zuhause der Rentiere von Reto Summermatter (34). Die nordische Hirschart begeistert den gelernten Elektriker und Forstwart bereits seit seiner Kindheit. «Ich glaube, diese Faszination verdanke ich tatsächlich den Weihnachtsfilmen», sinniert Reto. Vielleicht rühre das Interesse aber auch daher, dass er eher ein Wintermensch sei und gerne Schnee und Kälte möge – genauso wie die Rentiere eben.

Reto Summermatter und seine Rentiere (c) Valais Wallis Promotion

Im Winter 2013/14 machte sich Reto Summermatter auf nach Schweden, um als Hundeschlitten- Guide zu jobben und Rentiere in freier Wildbahn zu beobachten. Dort kam er in Kontakt mit Rentierzüchtern und ihren grossen Herden mit bis zu 600 Tieren. «In Skandinavien und Sibirien gelten Rentiere in der Landwirtschaft als wichtige Arbeitstiere», erklärt Reto Summermatter. Zurück in der Heimat verwirklichte sich der Walliser seinen Traum vom eigenen Rentiergehege. Mittlerweile leben sechs Rentiere in Herbriggen. Allerdings nicht als Arbeitstiere. «Mit dem, was ich für die Rentiere investiert habe, könnte ich ein gutes Auto kaufen», schmunzelt Reto und fügt hinzu: «Ich mache es, weil ich es gerne mache. Wenn es mir um Profit ginge, dann würde ich andere Tiere halten.» Mehr als einen Kilometer Zaun von 2.80 Meter Höhe hat Reto Summermatter für das Gehege selbst verlegt. Die Anschaffung der Tiere erforderte viel administrativen Aufwand. Schliesslich handelt es sich bei Rentieren um eine «Nichtheimische Wildart». «Ich musste eine zweijährige Ausbildung zum Hirschhalter absolvieren. Das Veterinäramt hat ausserdem das Gehege begutachtet und eine Bewilligung erteilt, ehe die Rentiere einziehen konnten.» Über drei Jahre hat sich das Bewilligungsverfahren hingezogen. Die Herbrigger Bevölkerung beobachtete das Unterfangen mit anfänglicher Skepsis. «Heute haben sich aber alle daran gewöhnt und fragen mich, wie es Rudolph und seinen Freunden geht.» Denn eines der Tiere von Reto Summermatter hört tatsächlich auf den Namen Rudolph-Theophil. Aber nur weil es bereits so hiess, als es nach Herbriggen kam. «Ich hätte ein Rentier niemals Rudolph genannt. Meine Tiere sind nicht zu vergleichen mit dem berühmten Rudolph. Sie sind anhänglich, aber ich versuche sie möglichst naturnah zu halten und sie nicht zu dressieren.» So liessen sie sich auch nicht vor einen Schlitten spannen.

Reto Summermatter möchte seine Rentiere denn auch nicht als Touristenattraktion vermarkten.

«Mein primäres Ziel ist die Zucht. Im Mai 2017 hat Leevi als erstes Rentier in Herbriggen das Licht der Welt erblickt. Ich möchte eines Tages 10 bis 12 Tiere halten.» Und es geht ihm bei der Tierhaltung auch darum, dass die Fläche sinnvoll bewirtschaftet wird und nicht verwaldet. Reto Summermatter verbringt jede freie Minute mit seinen Tieren. Er bringt ihnen Mais, Flechten oder Emd und führt sie spazieren. «Wenn ich mit meinen Rentieren unterwegs bin, dann zieht das schon die Blicke auf sich», gesteht Reto Summermatter. Sie sind eben schon etwas Besonderes, die Rentiere von Herbriggen.

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